Upcycling – aus Jeansrock wird Tasche

Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Angelika - vielen Dank, liebe Angelika. 

Im diesjährigen Goldticket ist ja der Upcyclingkurs enthalten, in dem Manu und Dennis viele nützliche und tolle Tipps geben und dazu anregen, heißgeliebte, aber nicht mehr passende Teile in neue Lieblingsstücke zu verwandeln.

Obwohl ich schon seit vielen Jahren ( mit längeren Pausen ) nähe, habe ich mich noch nie an größere Änderungsarbeiten herangetraut. Ich habe nur gelernt, neu zu nähen und trage meine Kleidung eigentlich so lange, bis ich denke „okay, ab jetzt nur noch für Garten- oder Malerarbeiten“.

Nichtsdestotrotz hüte auch ich seit Jahren ein paar Lieblingsstücke in verschiedenen Größen mit dem Gedanken „Könnte ja nochmal ... (passen)“.

Vom alten Jeansrock zur neuen Tasche

Inspiriert von der Tasche (aus einer zu groß gewordenen Herrenjeans)  aus dem Upcycling-Kurs habe ich mir einen Jeansrock in Größe 38 (wann hat der mir gepasst????) aus meinen Schätzen rausgesucht und nach kurzer Überlegung, wie eine Tasche daraus werden kann, einfach losgelegt.

Ich hatte ja das Rüstzeug aus dem Kurs an der Hand. Das Tolle an den Kursen ist, sie können vormachen und man kann einfach 1 zu 1 folgen. Aus dem Gelernten zieht man so viel raus, dass es auch die eigene Phantasie beflügelt.

Der besagte Rock hat über dem Gesäß einen Sattel, der sehr figurformend war. Die Seitennähte sind etwas vorverlegt, hinten war eine Falte.

Mit Rollschneider und Lineal habe ich den Rock erstmal kurz oberhalb der Falte gekürzt, da ich eine möglichst große Tasche erhalten wollte.

Das abgeschnittene Stück Stoff musste für Probenähte und Probeösen herhalten. Da habe ich zu kurz gedacht, aber dazu später mehr ...

Alter Jeansrock liegt mit Lineal und Rollschneider zum Zuschneiden auf der Schneidematte.
Der Jeansrock ist oberhalb des Saums abgeschnitten und für die Verarbeitung zur Tasche vorbereitet.
Die erste Naht mit der Overlock war die Verbindung von Vorder- und Rückteil, die beiden mittigen Kappnähte schön übereinander getroffen.
Jetzt hatte ich eine Tasche ohne Boden.
Vorder- und Rückteil des gekürzten Jeansrocks werden mit der Overlock zusammengenäht.
Detailaufnahme der aufeinandertreffenden Kappnähte des Jeansrocks nach dem Zusammennähen.

Taschenboden nähen

Um den Boden zu erhalten, habe ich die Ecken diagonal übereinandergelegt, auf beiden Seiten dieselbe Strecke abgemessen, mit Trickmarker eingezeichnet, mit der Overlock genäht und gleichzeitig abgeschnitten.
Und natürlich habe ich darauf geachtet, dass Naht auf Naht trifft.

Eine Ecke des Jeansrocks wird diagonal gelegt und für den Taschenboden markiert und gesteckt.
Der Taschenboden der Upcycling-Tasche aus Jeans wird entlang der markierten Linie mit der Overlock genäht.

Wenn beim Upcycling nicht alles nach Plan läuft

Durch die vorverlegten Seitennähte waren die Nähte von der Mitte nach außen auf Vorder- und Rückteil unterschiedlich lang, und beim Wenden und Prüfen des entstandenen Bodens sah alles irgendwie windschief aus.

Was tun?

nnenseite der Jeanstasche mit ausgeformtem Taschenboden und unterschiedlich verlaufenden Seitennähten.
Detailaufnahme der aufeinandergelegten Stofflagen an einer Seitennaht der entstehenden Jeanstasche.

Ich habe die Seitennähte übereinandergelegt und vom Bund über die Naht bis zu beiden Ecken die gleiche Höhe abgemessen und die Nähte korrigiert.

Die Nähte sind von der Mitte nach außen immer noch unterschiedlich lang, aber die Tasche „steht“ gerade.

Eine Naht der Jeanstasche wird mit der Overlock korrigiert, damit der Taschenboden gerade wird.

Planänderung: Druckknöpfe statt Reißverschluss

In der Anfangsplanung wollte ich die obere Bundnaht auftrennen und einen Reißverschluss einsetzen. Dabei habe ich aber nicht bedacht, dass der Bund auf der Vorderseite nicht durchgängig ist.
Vorderseite des Jeansrockbunds mit Knopf, Reißverschluss, Gürtelschlaufen und Eingrifftaschen.

Also bin ich auf Druckknöpfe ausgewichen, die ich mit der dazugehörigen Handzange eingepresst habe. Das Teil mit der schönen Kappe kam auf die Vorderseite in Verlängerung der Nieten auf den Taschen, die schlichten Rückseiten der Gegenstücke wurden mit Labels abgedeckt.

Rückseite des Jeansrockbunds mit Gürtelschlaufen und aufgenähten farbigen Labels.

Ösen und Träger für die Jeanstasche

Für den Träger habe ich mit dem Vario Creative Tool seitlich Ösen in den Bund gestanzt, um ihn mit Karabinerhaken einzuhängen.

Mit dem Vario Creative Tool wird ein Loch für eine Öse in den Bund des Jeansrocks gestanzt.
Das Vario Creative Tool wird am Jeansbund angesetzt, um eine Öffnung für die Öse vorzubereiten.
Mit dem Vario Creative Tool wird ein Loch seitlich in den Bund der Upcycling-Tasche gestanzt.
Zwei ausgestanzte Löcher im Jeansbund liegen neben den Ösenteilen für die Upcycling-Tasche.
Zwei fertig eingesetzte Metallösen im Bund der Jeanstasche.

An dieser Stelle wurde mir klar, dass es ein Fehler war, großzügig Probenähte, Druckknöpfe und Ösen an dem abgeschnittenen Streifen zu testen! Kein Stoff mehr für den Träger da. Es fand sich dann aber noch eine betagte Jeans, die aushelfen konnte.

Der Träger war schnell genäht, und beim Annähen des Karabiners ging mein JUKI Schnellnäher über 3 Lagen Kappnähte wie durch Butter.

Da sich die Blautöne etwas unterscheiden, schnitt ich vom Jeanssaum ein Stück raus, trennte den Bund über der Tasche ein wenig auf und nähte noch einen Karabinerhaken für einen Schlüsselbund an. Praktisch, und so fällt der dunklere Gurt nicht ganz so auf.

Dunkler Jeansstoff für den Taschenträger wird mit Lineal auf einer Schneidematte zugeschnitten.
Ein Karabinerhaken wird an mehreren Lagen Jeansstoff des Taschenträgers mit der Nähmaschine befestigt.
Eine kleine Jeansschlaufe mit Karabiner wird an der Upcycling-Tasche mit der Nähmaschine angenäht.
Detailaufnahme des mit Karabiner befestigten Jeansträgers an der fertigen Upcycling-Tasche.

Damit war meine neue Jeanstasche aus einem alten Schätzchen fertig.

Darf ich vorstellen? Meine neue Strandtasche Lola

Ich bin bekennender Taschenjunkie, von Taschen kann ich nicht genug nähen, obwohl ich eigentlich dachte „Jeanstasche? Och nö“.

Nach wie vor gibt der ehemals figurbetonte Rock der Tasche eine sehr weiche und weibliche Form, sodass ich sie kurzerhand Lola getauft habe, hihi. Meine neue Strandtasche, die Lola!

Fertige große Upcycling-Tasche aus einem alten Jeansrock mit langem Schulterträger und erhaltenen Jeanstaschen.
Fertige Upcycling-Tasche aus einem alten Jeansrock liegt zusammen mit einem Strohhut auf dem Autositz.

Upcycling heißt: Lösungen finden statt einfach nachnähen

Wie immer in den Courleys Kursen lernt man nicht nur für ein Projekt, sondern Grundsätzliches für so viel mehr.

In diesem Kurs gibt es kein Schnittmuster, das stoisch abgenäht wird, sondern Tipps und Tricks, wie mache ich was, was mache ich, wenn ... , und wie kann ich es lösen.

Es hat mal wieder unglaublich Spaß gemacht, das Gesehene und Gelernte am eigenen Projekt umzusetzen. In diesem Kurs ist kein Projekt wie das andere, jedes Stück ist individuell und braucht eine individuelle Herangehensweise. Das jetzt selbst austüfteln zu können, finde ich großartig!

Upcycling ist Freestyle.

Mein Fazit: Einfach mal ausprobieren!

Mich haben dieser Kurs und mein kleines Rock-zur-Tasche-Projekt ermutigt, jetzt öfter mal zu schauen, was ich mit meinem Können wie zu neuem Leben erwecken kann.

Ist gar nicht so schwer. Und nachhaltig. Probier es mal aus!

Zum Upcyclingkurs

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