Dieser Artikel ist ein Beitrag von unserer langjährigen Kursteilnehmerin Jana - vielen Dank, liebe Jana.
Hallo, hier ist Jana. Nähen ist das wohl wunderbarste Hobby der Welt. Allerdings beinhaltet es noch so viel mehr, als einfach nur Stoffe zusammenzunähen – und bringt beizeiten gleich mehrere weitere Hobbys mit sich.
So sehe ich Stoffe kaufen eindeutig als eigenständiges Hobby an *lach* Auch Sticken kann man durchaus als separates Hobby betrachten, das sich perfekt mit dem Nähen vereinen lässt.
Ich werte meine selbst genähte Kleidung sehr gerne mit einer mal mehr, mal weniger auffälligen Stickerei auf. So ist kürzlich ein grundsätzlich schlichtes Shirt – sowohl vom Schnitt als auch der Saumverarbeitung her – für meinen Sohn entstanden. Der Hingucker ist hier eindeutig das Stickmotiv samt dazu passendem Bügelbild!
Die Vorbereitungen
Ich habe mich für den Schnitt „Sommerkind“ von Lumali entschieden – ein Shirt mit angeschnittenen Ärmeln, das wunderbar fix genäht ist.
Das Vorderteil habe ich im Bruch gebügelt, sodass die Mittellinie gut sichtbar ist. Das ist mir später beim Ausrichten des Stickmotivs eine große Hilfe!
Ich besticke das Vorderteil, BEVOR ich das Shirt zusammennähe. Das hat gleich mehrere Vorteile: einerseits brauche ich mich nicht um überflüssige Stofflagen beim Einspannen und Sticken zu kümmern. Andererseits ist nicht gleich das komplette liebevoll genähte Oberteile hinüber, sollte beim Sticken doch mal etwas nicht so klappen, wie man es sich vorgestellt hat.
Als Nächstes geht es also darum, den Stickrahmen vorzubereiten. Wusstest du, dass man den inneren Rahmen auch falsch einsetzen kann? Die kleinen Dreiecke auf Innen- und Außenrahmen haben durchaus eine Bedeutung 😉
Im Kurs "Grundlagen des Maschinenstickens" geht Dennis natürlich auf solch kleine, feine Details ein.
Darüber hinaus wird in dem Kurs unter anderem ausführlich auf die verschiedenen Stickvliese eingegangen und wann man welches davon – und aus welchem Grund! - verwenden sollte. Da ich einen dehnbaren Stoff besticken möchte, greife ich auf das Schneidvlies „Weblon Plus“ zurück. Zudem gibt es bei dehnbaren Stoffen auch beim Einspannen das eine oder andere zu beachten, damit sich der Stoff nicht verzieht und rund um die Stickerei unschöne Wellen schlägt. Es wird daher lediglich das Schneidvlies im Rahmen eingespannt, der Stoff selbst nicht! Bei der von mir geplanten Trapunto-Stickerei wäre ein anderes Vorgehen zudem gar nicht möglich.
Den Trapunto Part vorbereiten
Ist das Weblon Plus trommelfest eingespannt, geht es auch schon an die Maschine. Dort habe ich die Stickdatei von Kasia bereits aufgerufen und Smart Thread in Shirt-Farbe eingefädelt.
In der ersten Sequenz wird eine Platzierungslinie gestickt.
Das dabei entstehende Rechteck messe ich im nächsten Schritt aus und schneide mir den Stickschaum ein wenig größer als die gemessenen Werte zu.
Ich lege den Stickrahmen in einen alten Pappkarton, um Stoffe, Maschinen & Co. zu schützen und sprühe das Schneidvlies mit Sprühzeitkleber ein.
Anschließend kann ich den zurechtgeschnittenen Stickschaum auf dem markierten Rechteck platzieren, der durch den Sprühzeitkleber direkt fixiert wird.
Der Rahmen wird wieder in die Stickmaschine eingesetzt und die Nähfußhöhe ein wenig angepasst.
Nun kann die nächste Sequenz gestickt werden, die den Stickschaum regelrecht perforiert.
So schaut das Ganze aus:
Der überflüssige Stickschaum muss natürlich entfernt werden. Dabei kann eine gute Pinzette überaus hilfreich sein.
Ist diese Arbeit erledigt, verbleibt folgendes vom Stickschaum auf dem Schneidvlies:
Das Platzieren des Motivs auf dem Vorderteil
Gerade Stick-Anfänger stehen oft vor dem Rätsel, wie man das Stickmotiv nun korrekt auf dem Shirt platziert, damit dieses auch dort landet, wo man es haben möchte – und im Idealfall auch noch gerade ist. Selbstverständlich hat Dennis im Grundlagenkurs zahlreiche Tipps dafür auf Lager. Ich kann den Kurs jedem, der sich mit dem Sticken beschäftigt, wärmstens empfehlen!
In diesem Fall läuft die Platzierung jedoch ein wenig anders ab, da wir den Stoff und den Stickschaum übereinbringen müssen. Dafür drucke ich mir die PDF-Farbkarte aus und schneide mir diese als eine Art Schablone zurecht.
Im nächsten Schritt schaue ich, auf welcher Höhe des Vorderteils ich das Stickmotiv platzieren möchte. Anhand der vorgebügelten Mittellinie kann ich das Motiv zudem perfekt gerade ausrichten.
Ich fixiere die Schablone an der unteren Kante mit Krepp-Klebeband und knicke das Papier an der gestrichelten Linie, also der Platzierungslinie des Stickschaums, um.
Nun versehe ich das Schneidvlies und den Stickschaum mit Sprühzeitkleber ...
... falte den Stoff exakt entlang der umgeknickten Papierschablone rechts-auf-rechts und markiere mir mit Kreide den linken und rechten Außenrand der Papierschablone.
Durch den Jersey kann man diese gut erfühlen.
Nun kann ich das Vorderteil mit Hilfe dieser Markierungen ganz exakt auf dem Stickschaum platzieren.
Der Stoff wird aufgeklappt, die festgeklebte Papierschablone entfernt und das Vorderteil auf das mit Sprühzeitkleber versehene Stickvlies gedrückt. Dabei den Stoff nicht dehnen, sondern lediglich andrücken!
Das Stickmotiv fertigstellen
Nun geht es wieder an die Stickmaschine. Als Erstes empfehle ich, einen Heftrahmen zu sticken.
Bei der von mir verwendeten Brother V3 LE ist dies nicht ohne weiteres während des Stickvorgangs möglich. Ich muss also zunächst an den Anfang der Stickerei zurückspringen und kann nun den Heftrahmen anwählen und sticken.
Anschließend überspringe ich die bereits gestickten Sequenzen, sodass ich dort weitersticken kann, wo ich aufgehört habe. Bei der Brother ist dies leider ein kleiner Umweg, bei anderen Maschinen mag das weniger kompliziert möglich sein.
Ich fixiere mit Krepp-Klebeband nun noch Avalon-Film im Bereich des Stickmotivs. Dies ist nicht zwangsläufig nötig, da bei Jersey der Stich nicht so sehr im Stoff versinkt. Ich persönlich finde das Ergebnis jedoch einfach noch sauberer.
Während ich diese Sequenz Ton-in-Ton zum Shirt-Stoff sticke, folgt nun ein Farbwechsel.
Die Stickfußhöhe kann zudem ggfs. wieder auf den Standardwert gesenkt werden.
Sobald das Stickmotiv fertiggestellt und der Stoff aus dem Rahmen befreit ist, entferne ich vorsichtig den größten Teil des Avalon Films (das ist immer ein besonders spannender Moment!).
Dabei darauf achten, nicht zu sehr an der Stickerei herumzuruckeln und zu -reißen (hier habe ich versucht so viel wie möglich vorab zu entfernen, damit ich das Ergebnis besser zeigen kann). Der Rest der Folie wird später einfach ausgewaschen. Auch der Heftrahmen kann nun entfernt werden, was aufgrund der großen Stiche sehr schnell geht.
Zudem schneide ich das Weblon Plus zurück und bereinige die linke Seite der Stickerei von losen Fadenenden.
Sieht das nicht schon schön aus?
Ein wichtiges Detail fehlt jedoch noch; die gelbe Quietsche-Ente! Bei Kasia gibt es zu einigen Stickdateien auch die passenden Bügelbilder, um die ich natürlich nie herumkomme *lach*
Ich schneide mir das gewünschte Motiv aus (die Enten gibt es in diversen Farben auf dem Bügelbild-Bogen) und platziere diese in der entsprechenden Lücke des Stickmotivs.
Nun nehme ich mein Mini-Bügeleisen und presse die Ente einige Sekunden fest. Ich empfehle dir dringend, den Stoff dabei mit Backpapier oder etwas ähnlichem zu schützen!
Ich verwende dafür Teflonfolie. Unter das Vorderteil habe ich zudem eine für die Hitze ausgelegte Ausgleichsmatter gelegt.
Tadaaaaaaa!
Wer etwas empfindlicher ist, kann an dieser Stelle noch „Comfort Wear“ auf die linke Seite der Stickerei aufbügeln, damit nichts an der Haut schubbelt. Dabei empfehle ich, dieses nicht eckig, sondern mit abgerundeten Kanten zuzuschneiden, da sich die Ecken sonst nach einigen Waschgängen gerne wieder lösen.
Das Nähen
Nun muss das Shirt natürlich noch zusammengenäht werden. Ich bügle zunächst die Säume vor, was mir das Covern später ungemein erleichtert. Auch den Bündchenstreifen bügle ich der länge nach mittig links-auf-links.
Dann werden Schulter- und Seitennähte gesteckt …
… und das Ganze mit der Overlock zusammengenäht.
Das Bündchen schließe ich ebenfalls zum Ring und schneide die Nahtzugabe vorsichtig mittig ein. Dabei unbedingt darauf achten, die äußere Naht nicht zu verletzen!
Nun kann ich die Nahtzugabe schön glatt auseinanderlegen.
Beim Annähen des Bündchens an den Halsausschnitt nähe ich nie „schräg raus“, sondern schließe sozusagen auch die Naht im Kreis, deaktiviere jedoch das Messer, sobald ich mich dem Nahtanfang nähere. So wird die Naht nicht versehentlich verletzt.
Das Ergebnis ist eine saubere Naht. Die losen Fäden verknote ich und ziehe diese in die Nahtzugabe.
Nun werden noch die Säume gecovert. Durch das Vorbügeln selbiger lässt sich der Stoff ganz einfach auf die linke Seite umschlagen. Ich bügle noch einmal kurz darüber und dann geht es auch schon an meine Coverstitch (in diesem Fall die baby lock Primo). Ich habe den Stoff unter der Maschine einmal so gelegt, dass du beide Seiten gleichzeitig sehen kannst. Auf der linken Seite wird die offene Kante perfekt von der Naht umschlossen.
Nun wird noch der Halsausschnitt mit der schmalen Variante der Naht gecovert, damit sich das Bündchen schön flachlegt. Dafür liebe ich die Nahtschatten-Einsätze, die es exklusiv für die Primo gibt. Mit diesen kann durchgehend der exakt gleiche Abstand eingehalten werden.
Übrigens gibt es auch einen wunderbaren Einführungskurs zur Primo, den ich mir bei Kauf der Maschine direkt gegönnt hatte.
Last but not least schicke ich die Ente baden und wasche das restliche Avalon Film unter fließendem Wasser aus ...
... und hänge das Shirt zum Trocknen auf. Bei der aktuellen Wetterlage geht das zum Glück schnell, sodass mein Sohn das Shirt direkt am nächsten Tag anziehen konnte 🙂
Ich freue mich, dass du mich wieder einmal in mein Nähzimmer begleitet hast und hoffe, es hat dir genauso viel Spaß bereitet, wie mir!
Liebe Grüße,
Deine Jana






Ich danke dir ganz herzlich für deinen lieben Kommentar, Brigitte! Das freut mich sehr 🙂
Viele Grüße
Jana
Super Beschreibung und Bebilderung und ein superschönes Motiv. Lieben Dank für deine Mühe und für‘s „Teilen“, Gruß Brigitte